ABC-Analyse im Lager: welche Artikel die meiste Aufmerksamkeit verdienen
Kein Lager hat Zeit, jeden Artikel gleich genau zu beobachten. Die ABC-Analyse ist die einfache, seit Jahrzehnten bewährte Methode, um zu entscheiden, wo sich Aufmerksamkeit lohnt: Eine Handvoll Artikel bindet meist den Großteil des Kapitals im Bestand, während Hunderte andere kaum ins Gewicht fallen.
Was die ABC-Analyse ist und warum sie funktioniert
Die Methode wendet das Pareto-Prinzip auf den Bestand an: In den meisten Sortimenten entfällt auf einen kleinen Teil der Artikel ein großer Teil des Werts. Übliche Grenzen sind A für die Artikel, die die ersten 70–80 % des jährlichen Verbrauchswerts ausmachen, B für die nächsten 15–25 % und C für den Rest. In einem typischen Sortiment sind 10–20 % der Artikel A und die Hälfte oder mehr C. Das sind Faustregeln, kein Gesetz: Wo die Grenzen liegen, entscheiden Ihre eigenen Daten.
Es geht nicht um die Buchstaben. Es geht darum, Zählzeit, Prognoseaufwand und Umlaufkapital dort einzusetzen, wo ein Fehler teuer ist, und den langen Rest mit einfachen, günstigen Regeln zu führen.
Zuerst die Kennzahl wählen
Die ABC-Analyse ordnet Artikel nach genau einer Zahl, und diese Zahl muss zur Entscheidung passen, die Sie treffen wollen:
- Verbrauchswert (verbrauchte oder verkaufte Menge × Einstandspreis): die klassische Kennzahl für die Bestandssteuerung, weil sie zeigt, wo Kapital gebunden ist und wo Fehler am meisten kosten.
- Umsatz oder Rohertrag: besser, wenn die Frage lautet, von welchen Produkten das Geschäft lebt.
- Anzahl der Auftragspositionen oder Picks: die richtige Kennzahl für das Lagerlayout, weil sie zeigt, welche Artikel Kommissionierer am häufigsten greifen. Die Platzvergabe nach Picks behandelt unser Leitfaden zu Lagerplätzen.
Mischen Sie keine Kennzahlen in einer Rangfolge. Brauchen Sie zwei Sichten, erstellen Sie zwei Analysen.
Schritt für Schritt vorgehen
- Wählen Sie den Zeitraum, meist die letzten 12 Monate, damit Saisonartikel weder über- noch unterbewertet werden.
- Exportieren Sie für jeden Artikel die im Zeitraum verbrauchte oder verkaufte Menge und den Einstandspreis.
- Berechnen Sie den jährlichen Verbrauchswert je Artikel: Menge × Einstandspreis.
- Sortieren Sie die Artikel vom höchsten zum niedrigsten Wert.
- Berechnen Sie für jeden Artikel den kumulierten Anteil am Gesamtwert.
- Vergeben Sie die Klassen nach Ihren Grenzen, zum Beispiel A bis 80 %, B bis 95 %, C für den Rest.
- Prüfen Sie Ausnahmen von Hand: neue Artikel ohne Historie, kritische Ersatzteile, auslaufende Artikel.
- Halten Sie die Regeln je Klasse schriftlich fest und wiederholen Sie die Analyse vierteljährlich oder halbjährlich.
Rechenbeispiel (Beispielzahlen)
Ein Großhändler hat zehn Artikel mit einem jährlichen Verbrauchswert von insgesamt 100.000 EUR. Absteigend sortiert, in Klammern der kumulierte Anteil:
- P-101: 3.500 Stück × 12 EUR = 42.000 EUR (42 %)
- P-102: 20.000 EUR (62 %)
- P-103: 12.000 EUR (74 %)
- P-104: 8.000 EUR (82 %)
- P-105: 6.000 EUR (88 %)
- P-106: 4.500 EUR (92,5 %)
- P-107: 3.000 EUR (95,5 %)
- P-108: 2.500 EUR (98 %)
- P-109: 1.200 EUR (99,2 %)
- P-110: 800 EUR (100 %)
Mit den Grenzen 80 % und 95 % bilden die drei Artikel P-101 bis P-103 die Klasse A: 30 % der Artikel und 74 % des Werts. P-104 bis P-106 sind Klasse B mit 18,5 % des Werts. Die vier Artikel P-107 bis P-110 sind Klasse C: 40 % der Artikel, nur 7,5 % des Werts. Ein Bestandsfehler von 10 % bei P-101 entspricht 4.200 EUR, derselbe Fehler bei P-110 nur 80 EUR. In diesem Unterschied liegt das ganze Argument für eine unterschiedliche Behandlung.
Jeder Klasse eigene Regeln geben
- Klasse A: häufig zählen, etwa monatlich im Rahmen einer permanenten Inventur; Bedarf und Meldebestände regelmäßig prüfen; Sicherheitsbestand sorgfältig berechnen; engen Kontakt zu den Lieferanten halten.
- Klasse B: vierteljährlich zählen; Parameter einige Male im Jahr prüfen; Standardregeln für die Nachbestellung.
- Klasse C: ein- bis zweimal im Jahr zählen; seltener in größeren Mengen bestellen, um Handlingkosten zu sparen; regelmäßig prüfen, was sich nicht mehr verkauft, und eine Auslistung erwägen.
Viele Teams ergänzen eine XYZ-Analyse, die Artikel nach der Stetigkeit ihres Bedarfs einteilt. Ein AX-Artikel ist wertvoll und gut planbar, ein CZ-Artikel günstig und sprunghaft. Die Kombination zeigt, wo sich Prognoseaufwand lohnt.
So funktioniert es in OrgLines
Die Klassifizierung selbst ist eine Berechnung auf Ihren Verkaufs- oder Verbrauchsdaten, und dafür genügt eine Tabellenkalkulation. Entscheidend ist, dass das Ergebnis die tägliche Bestandsführung verändert. In OrgLines wird der Bestand je Lager geführt, und Sie können die Kosten eines Produkts erfassen, um seine Marge zu sehen, also genau den Einstandspreis, den die Analyse braucht. Produkte können eigene Attribute tragen, sodass sich die Klasse direkt am Produkt festhalten lässt.
Für die Regeln je Klasse kann eine Inventur ein Lager oder alle umfassen und gleicht das Zählergebnis mit dem System ab, und die Bestandsliste schlägt für jeden Artikel eine Nachbestellmenge vor. Bestellungen mit Wareneingang schließen den Weg vom Vorschlag bis zum Regal.
Häufige Fehler
- Nach Stückpreis statt nach Verbrauchswert sortieren: Ein teurer Artikel, der einmal im Jahr verkauft wird, ist kein A-Artikel.
- Einen zu kurzen Zeitraum wählen, sodass Saisonartikel zwischen den Klassen springen.
- Die Analyse einmal durchführen und nie wiederholen.
- Neue Artikel in C einordnen, nur weil sie noch keine Historie haben.
- Kritische, aber günstige Ersatzteile als unwichtig behandeln: Ordnen Sie sie von Hand ein.
- Wert und Pickhäufigkeit in einer Rangfolge vermischen.
- Klassen bilden, aber keine einzige Zähl- oder Nachbestellregel ändern.
Checkliste
- Die Kennzahl passt zur Entscheidung: Wert, Marge oder Picks.
- Der Zeitraum umfasst ein volles Jahr.
- Einstandspreise sind aktuell und vollständig.
- Die Grenzen sind schriftlich festgelegt und werden jedes Mal gleich angewendet.
- Ausnahmen wurden von einer Person geprüft.
- Jede Klasse hat schriftliche Zähl- und Nachbestellregeln.
- Der nächste Überprüfungstermin steht im Kalender.